Unsere 5 Kernthesen für die Kammerwahl 2026 für euch ausführlich vorgestellt:

Die Arbeits- und Startbedingungen junger Architekt*innen sind zentrale Indikatoren für den Zustand der Branche. Als Interessenvertretung trägt die Architektenkammer Verantwortung dafür, diese Rahmenbedingungen aktiv mitzugestalten. Hierbei sind Wettbewerbe, Vergabeverfahren, Honorare und Arbeitsbedingungen keine Einzelthemen, sondern eng miteinander verknüpft.

Wettbewerbe sind ein zentrales Instrument der Baukultur und müssen von der Kammer gefördert und gefordert werden. Diese Verfahren müssen auch jungen und kleinen Büros reale Zugangsmöglichkeiten bieten. Wir setzen uns dafür ein, dass auch Angestellte als Entwurfsverfasser*innen benannt werden müssen.

Die Architektenkammer muss sich dafür stark machen, dass für Architektenleistungen faire Honorare bezahlt werden und aktiv gegen einen ruinösen Unterbietungswettbewerb vorgehen. Hiervon profitieren selbstständige und angestellte Architekt*innen gleichermaßen. Eine Stärkung der wirtschaftlichen Grundlagen des Berufs ist Voraussetzung für Qualität, Innovation und nachhaltige Baukultur.

Die angemessene Honorierung unserer Leistungen ist die Voraussetzung für faire Gehälter und verlässliche Regelungen zu Arbeitszeiten. Weitere Transparenz entsteht, wenn die regelmäßigen Erhebungen zur Gehaltsstruktur konkrete Auswirkungen auf die Praxis haben und von der Kammer deutlich offensiver kommuniziert werden.

Zu guten Arbeitsbedingungen gehört das Anrecht auf Fortbildungen.Von der Förderung beruflicher Weiterbildung profitieren nicht nur diejenigen, die an ihr teilnehmen, sondern das gesamte Büro. Eine Architektenkammer, die transparente Verfahren fördert, faire Honorare durchsetzt und sich für gute Arbeitsbedingungen einsetzt, verbessert nicht nur die Situation junger Kammermitglieder, sondern stärkt den Berufsstand insgesamt und sichert seine Zukunftsfähigkeit.

Gleichstellung und Diversität sind für uns eine Selbstverständlichkeit. Niemand darf aufgrund von Geschlecht, Herkunft oder sexueller Orientierung benachteiligt werden.
Die Architektenkammer muss Anlaufstellen für Betroffene von Diskriminierung schaffen. Wir fordern Möglichkeiten, um sich rechtlich beraten zu lassen, sich auszutauschen und gegen Diskriminierung vorzugehen. Gemeinsam möchten wir eine Kultur des Hinschauens schaffen.

Wir setzen uns ein für die Vereinbarkeit von Beruf und Care-Arbeit. Unsere Arbeitsstrukturen müssen allen Kolleg*innen Kindererziehung, Pflege oder Ehrenämter bei gleichen beruflichen Chancen ermöglichenUm dies zu erreichen, muss die Eltern- und Pflegezeit im Versorgungswerk, entsprechend der gesetzlichen Rentenversicherung, anerkannt werden. Wir setzen uns dafür ein, dass das Versorgungsmodell an unterschiedliche Lebenssituationen angepasst werden kann. Außerdem müssen Mitglieder transparent über ihre Vor-und Nachteile einer Mitgliedschaft informiert werden.

Die Wertschätzung von Mitarbeitenden muss unabhängig von ihrer Arbeitszeit stehen. Daher müssen Teilzeitmodelle geschaffen werden, die eine faire Vergütung, Verantwortung entsprechend der Qualifikation und Aufstiegschancen sichern. An dieser Stelle möchten wir ansetzen und einen Diskurs anregen, wie eine faire Behandlung erreicht werden kann.

Wir entwerfen und planen, doch unser Tätigkeitsfeld reicht weit darüber hinaus: Wir forschen zu Materialien, Prozessen und gesellschaftlichen Fragestellungen, wir lehren und referieren, wir kommunizieren komplexe Inhalte zwischen Auftraggebenden, Fachplanenden, Öffentlichkeit und Politik. Wir strukturieren Planungs- und Bauprozesse, beraten private und öffentliche Akteure, kalkulieren Kosten, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit und publizieren in Fachmedien oder wissenschaftlichen Kontexten. Diese Leistungen sind integraler Bestandteil unserer Berufspraxis, werden jedoch im klassischen Berufs- und Leistungsbild der Architektur nur unzureichend abgebildet. Zahlreiche dieser Tätigkeiten berechtigen nicht zum Führen des Titels (Innen-)Architekt*in, Landschaftsarchitekt*in oder Stadtplaner*in, obwohl sie maßgeblich zur Qualität der gebauten Umwelt beitragen.

Gleichzeitig verändern sich die Anforderungen an unseren Beruf: Die Ansprüche an individuelle Qualifikationen steigen, während sich die tatsächliche Berufspraxis immer weiter vom tradierten Berufsbild entfernt. Digitalisierung, Nachhaltigkeitsanforderungen und interdisziplinäre Zusammenarbeit führen zu spezialisierten und hybriden Profilen. BIM, datenbasierte Planungsmethoden, automatisierte Prüf- und Simulationsprozesse oder Anwendungen der Künstlichen Intelligenz verändern Arbeitsweisen, Verantwortlichkeiten und Haftungsfragen. Auch die mittlerweile gängige Erarbeitung planungsergänzender Konzepte, etwa zu Energieeffizienz, Klimaanpassung, Mobilität, Ressourcenschonung oder Nutzungsflexibilität, gehen mit einem z.T. erheblichen zusätzlichen Zeit- und Koordinationsaufwand einher und bedürfen daher einer klaren leistungsrechtlichen Einordnung sowie einer angemessenen Honorierung.

Vor diesem Hintergrund möchten wir einen offenen Diskurs über ein zeitgemäßes Berufsbild der Planungsdisziplinen führen. Wir haben das Ziel, bestehende Tätigkeitsfelder sichtbar zu machen, neue anzuerkennen, digitale und technologische Entwicklungen als Potenzial zu integrieren und das Berufsbild sowie seine ordnungsrechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stetig anzupassen.

Wir setzen uns für eine klare Positionierung der Kammer nach außen und eine zeitgemäße Kommunikation nach innen ein.
Unser Ziel ist es, die Sichtbarkeit sowie die politische und gesellschaftliche Relevanz der Kammerarbeit deutlich zu stärken. Zentrale Themen wie z.B. Baukultur, Nachhaltigkeit, Transformation und der gesellschaftliche Mehrwert von Gestaltung müssen offensiv und kontinuierlich in Form wirksamer Lobbyarbeit vertreten werden. Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung müssen gestärkt, ausgebaut und modernisiert werden.
Wir wollen junge Mitglieder und Studierende stärker einbinden – durch besser zugängliche und bezahlbare Fortbildungsangebote, eine intensivere Vernetzung mit Hochschulen und einen aktiven Übergang vom Studium in den Beruf und in die Kammer.
Die fachliche Perspektive muss bei den drängenden Fragen unserer Zeit wieder stärker mitbestimmen – statt diesen Diskurs nur anderen Akteur*innen zu überlassen.

Die Zahlen sind bekannt: Die Baubranche in Deutschland verursacht jährlich rund 200 Millionen Tonnen Abfall – und verantwortet etwa 30% der CO2 Emissionen. Neben der grauen Energie verlieren wir dabei auch die Goldene Energie – die dem Gebäude eingeschriebene Geschichte und ihren spezifischen Kontext. Hier besteht Handlungsbedarf.

Bestandserhalt birgt großes Potenzial: Wir setzen uns für eine Umbaukultur ein, die im Bestand gute Räume für zukünftige Nutzungen schafft. Die Komplexität des Um- und Weiterbauens erfordert kompetente Planungsteams und integrale Planungsprozesse. Hier ist unser Berufsstand gefragt – denn ohne die Kompetenz von uns Planer*innen bleibt das Potenzial des Bestands ungenutzt.

Auf städtebaulicher Ebene braucht es eine dreifache Innenentwicklung, um die Transformation unserer gebauten Umwelt zukunftsfähig zu gestalten. Dazu gehören Klimaanpassung, nachhaltige Mobilitätskonzepte, Entsiegelung, sensible Nachverdichtung, soziale Verträglichkeit, Biodiversität und ein bewusster Umgang mit Fläche als Ressource. Gleichzeitig setzen wir uns dafür ein, den öffentlichen Raum nachhaltig zu stärken und als gemeinschaftlichen Lebensraum weiterzuentwickeln.

Wir möchten eine Diskussion anregen – etwa über die Einführung einer Abrissgenehmigung oder die Anpassung von CO2-Steuern zur Förderung des Bestandserhalts. Wo nicht umgebaut werden kann, muss Zirkularität im Vordergrund stehen. Materialpässe zur Erleichterung des zirkulären Bauens und die Kriterien für Nachhaltigkeitszertifizierungen müssen thematisiert werden. Ziel ist es, möglichst pragmatische und wirksame Maßnahmen für ein ökologisch nachhaltiges Bauen zu entwickeln.

Die gesetzliche Verankerung des Bestandserhalts ist ein notwendiger Schritt, um die Herausforderungen der Klimakrise zu bewältigen. Die Architektenkammer kann und sollte hier eine aktive Rolle einnehmen.